Kategorie: Allgemein

6K12B April: Dresden Plate

27. Apr. 2017 - Allgemein -
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Logo 6 Köpfe 12 Blöcke Bäh! Rundes Design. Das mag ich nicht! Dies waren meine Gedanken, als der Block Dresden Plate bei Andrea von Quiltmanufaktur gezeigt wurde. Dazu noch so regelmäßig angeordnet. Ich mag das einfach nicht! Okay, also erst mal Lineal besorgen, das schindet Zeit.

Das Lineal trudelte ein. Und lag dann so rum. Und lag. Und langweilte sich. Zwischenzeitlich lieh ich es Bettina von emmeline, die mit ihrem aus dem USA-Urlaub mitgebrachtem Lineal eine sehr schöne, aber eben zu große Plate genäht hatte.

Also konnte ich leider, leider immer noch nicht mit der Dresden Plate anfangen.

Jetzt … ist es schon viel später als April – und ich hab mittlerweile eine Idee, aber immer noch keine Lust auf den April Block. Ob das noch was wird mit uns?

Immerhin hab ich mich schon für die Grundfarbe entschieden. Rosa hatte ich ja noch nicht. Vieleicht schaff ich diesenBlock ja noch vor dem nächsten Nähtreffen (im November)?

Sew a smile! oder: Willkommen in Deutschland

31. Aug. 2015 - Allgemein -
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Es ist weder zu übersehen noch zu überhören: sehr viele Menschen suchen derzeit Zuflucht in unserem Land.

Lange hab ich überlegt, ob ich hier etwas schreibe. Zu groß war bisher das Gefühl, zu wenig zu wissen, die Hintergründe nicht zu verstehen. Doch der Bauch rief immer lauter: „Was gibt es da zu verstehen? Viele Menschen sind vor Krieg und Verfolgung geflüchtet, sie haben es bis zu  uns geschafft und haben manchmal nicht mal ihre Liebsten mitnehmen können. Oft ist das eigene Leben das einzige, was ihnen zu retten möglich war.“

Recht hat der Bauch.

Seit Wochen lese ich von einer Welle der Hilfsbereitschaft: #bloggerfuerfluechtlinge und #1000malwillkommen sind nur zwei, die mir begegnet sind.

BFF_1508_HeaderBlau2-300x111-300x111Ebenso lange lese ich auch schon von anderen, hasserfüllten Aktionen. Diese sollte man nicht totschweigen, aber eben auch nicht ignorieren. Zum „dagegen an reden“ bin ich nicht wortgewandt genug. Da gibt es viele, viele andere, die das besser können als ich. Schaut euch einfach mal in dieser Linksammlung um.

Doch was kann ich tun?

Mich macht es betroffen, wenn ich von den Einzelschicksalen lese oder im Radio einen Bericht höre. Ich habe hier alles, was man zum Leben braucht. Mehr als das – und oft genug weiß ich dies nicht zu schätzen.

Wir können unsere Kinder in die Schule unserer Wahl schicken – Jungen und Mädchen.
Wir können frei entscheiden, ob wir vegetarisch essen oder lieber das grüne Paar Schuhe tragen wollen statt der roten.Wir wohnen in vier Wänden, die uns vor Wind und Wetter, aber auch vor Eindringlingen schützen.
Wir hören jeden 1. Freitag im Monat die Sirenen, und dürfen uns glücklich schätzen, das dies nur die Funktionskontrolle ist.
Wir können mit 18, 76 oder gar nicht heiraten und sind in jedem Fall ein Mitglied der Gesellschaft.

Friede und Selbstbestimmtheit

Diese Liste ist nicht vollständig, nur ein Ausschnitt meiner Gedanken. Was ich aber weiß: Wir leben in Frieden. In einer Gesellschaft, die durch Selbstbestimmtheit geprägt ist. Das ist viel Wert. So viel, das vor mehr als 20 Jahren die Bürger des „anderen Deutschlands“ dafür kämpften, auch so leben zu dürfen. Und sie haben gewonnen.

Bei mir um die Ecke ist eine Erstaufnahmestelle. Eine Turnhalle, die schon mit 2 Schulklassen unangenehm voll erscheint. Nicht das neueste Baujahr. Aber zentral, mit sanitärer Infrastruktur. Diese beherbergt seit Ende Juli 150 Flüchtlinge. Die meisten bleiben 30 Tage – bis sie woander hingeschickt werden. Hoffentlich werden sie in ein gutes Leben entlassen. 150 von 800.000 leben hier vor meiner Tür.

So viel im Kopf – und so wenig kann ich in Worte fassen

Ich möchte helfen. Ein Lächeln verschenken in einer Zeit, die für die Beteiligten sicher nicht einfach ist. Ich möchte zeigen: Ihr seid willkommen! Aber ich hab auch Berührungsängste. Am ersten Tag sah der Bereich um unsere Turnhalle aus wie ein Knast: Katastrophenschutz, Zeltlager und Polizei. Unheimlich. Die Straße ist seit einigen Wochen für den Durchgangsverkehr gesperrt. Wachschutz ist präsent. Es ist mir unheimlich.

Daher war ich heute morgen sehr froh, als ich die Aktion „Sew a smile!“ entdeckte.

Ich möchte etwas geben, was ich gut kann. Denn wenn ich etwas verschenke, dann mit Herz. Für jeden ein individuelles Stück – mit Herzblut gearbeitet und mit vielen guten Wünschen gefüllt.

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Zusammen mit Bettina lade ich euch am Donnerstag ein, Turnbeutel und Kulturtaschen zu nähen.

Wann? Donnerstag den 03.09.2015
Uhrzeit? 9:00 bis 18:00 Uhr
Wo? bei emmeline, südstraße 15-17, 41469 Neuss

Wie ihr teilnehmen könnt? Kommt vorbei, setzt euch an eine Maschine und näht! Stoff und Kordel werden von emmeline gestellt, aber wer gerne Material von daheim mitbringen will, darf dieses gerne tun.

Wer nicht nähen kann oder an diesem Tag keine Zeit hat, dann uns gerne durch Geldspenden für eine Füllung der Beutel (Hygieneartikel und Beschäftigungsmaterial für Kinder) unterstützen. Oder ihr näht daheim Beutel – für große und kleine – für Jungs und Mädchen. Einen ganz einfachen Beutelschnitt findet ihr hier.

Wir verteilen diese Beutel dann im Rheinkreis Neuss.

Dies war mal wieder ein typischer Beitrag a la minerva huhn – bunt durcheinander gewürfelte Gedanken, verschiedene Ideen, bunt zusammengewürfelt und manchmal übergangslos… so sieht es in meinem Kopf aus. ‚“So vieles ist schon gesagt – soll ich das nochmal erzählen? Wer will das noch lesen?“

Aber wisst ihr was: das ist mir gerade egal. Ich möchte, das ihr wisst:

1000 mal Willkommen – ich bin dabei!

mit den mir gegebenen Talenten und Möglichkeiten werde ich helfen und unterstützen.

 

 

Startnummer 1 – der erste Halbmarathon

25. Sep. 2014 - Allgemein, Laufen -
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„Wie, du hast die eins? Die bekamen bei uns nur die Kenianer!“ staunte meine charmante Laufbegleitung für meinen ersten Halbmarathon beim Abholen unserer Startnummern. Tja, so eine Nummer bekommt man, wenn man es gar nicht erwarten kann bis die Anmeldung freigeschaltet ist und als erste das Onlineforumlar ausfüllt.

 

Der Wettkampftag begann… mit dem Tag davor.

Wie ihr ja sicher schon gelesen habt, war meine Vorbereitungszeit in den wichtigen Wochen vor meinem ersten Halbmarathon nicht optimal gelaufen.
Um mich selbst nicht weiter runter zu ziehen, ging ich die Woche vor DEM Termin am 21.09. recht locker an und bemühte mich, nicht zu denken: „Wäre ich nicht krank gewesen, würde ich sicher eine Zeit von 7:00 h halten können… wäre es anders gekommen, ernährte ich mich jetzt nach dem Plan von Brendan Brazier oder Matt Frazier.“ Das alles verdrängte ich und ließ dem Alltag seinen Lauf. Ich schaute nicht nach, was ich jetzt am besten essen sollte. Nur auf ausreichend Schlaf achtete ich. Denn der fehlte mir in den Tagen davor sehr, da mal wieder die anderen Hühner hier im Stall mit Erkältung und ähnlichem gesegnet waren und dann ihre Nächte bei mir verbrachten.

Samstag, 20. September 2014 und ich hatte mich zum „Nix tun“ und viel trinken verdonnert. Gelang gut! Da alle Kinder samt Gatten außer Haus weilten, hatte ich auch keine größeren weiteren Verpflichtungen.

Abends dann erwartete ich meine Laufbegleitung – Nicole kam extra aus Hannover um mit mir Turtle zu laufen! Ich bin immer noch hin und weg und begeistert und glücklich das sie sich nach ihrem Arbeitstag ins Auto setzte, hierher brauste um mich zu unterstützen. Ganz besonders dankbar bin ich, das sie auch mein Tempo (Schildkröte bis Schnecke) lief – und nicht das ihrige (Gazelle). Zum Glück waren wir beide sehr müde und konnten früh ins Bett. Ich hatte ja Angst, das wir den Abend zu lange mit Plappern verbringen.

Sonntag, 21. September 2014 – 7:00 Uhr

Wow! Ich hab super geschlafen – tief und fest. Das Aufstehen in der Morgendämmerung ist nicht ganz so leicht gefallen. Dennoch: ich war erstaunlich ruhig. Fast tiefenentspannt. Sehr seltsam. Ist doch heute der Tag, auf den ich fast ein Jahr hingearbeitet habe. Der Tag, der nun unter ganz anderen Vorzeichen begann, wie ich es mir erträumt hatte. Immerhin, mein Lieblingsfrühstück musst sein: ein Smoothie aus Banane, Beeren, Hanfsamen, ein bisschen Matcha … und was sonst noch so da war … und ein Erdnußbuttertoast.

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Kurz nach Acht fuhren wir dann los nach Fühlingen. Für mich gibt es fast nix schlimmeres als kurz vor knapp anzukommen – außer ganz zu spät da zu sein. Einen nahen Parkplatz bekommen, die Startummernausgabe gesucht und gefunden und da die erste große Überraschung: Ich hab die Nummer 1!

Fluch oder Segen?

Manno, ich hab ja schon einige Läufe mitgemacht – und mich in Köln auch sehr über meine 14 gefreut. Aber die 1? Bei großen Rennen bekommen diese Ziffer immer die Stars. Der bin ich ja nun beileibe nicht! Ich ahnte bereits, das es einige schlaue Kommentare vom Straßenrand geben würde – und fühlte mich zeitweise sehr verunsichert. Himmel, ich werde zwar erste – aber eben von hinten! Daher hatte Nicole auch ganz klar die Ansage, vor mir über die Matte laufen zu müssen. Wenn schon – denn schon. So.

startnummer

 

Leider war es mit grauem Himmel, bewölkt und etwas windig nur kurzfristig optimales Laufwetter. Denn mit der Zeit zog es sich immer mehr zu. Den Start der 10 km konnten wir noch im im Trockenen beklatschen. Danach steigerte sich das Tröpfeln immer mehr…. ich sorgte mich, ob meine Bekleidung (kurz/kurz, keine Wind- oder Regenjacke) meiner Gesundheit zuträglich sei. Aber müßig: denn ich hatte nix dabei, musste nun meine kuschelige Sweatjacke ins Auto bringen und mich der Herausforderung stellen.
Pünktlich zu unserem Start um 10:40 h begann es dann richtig zu schütten.

copyright bei Detlev Ackermann/www.laufen-in-koeln.de
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Noch immer war ich überzeugt, ich laufe so lange, wie ich kann. Und das „wie ich kann“ würde bei rund 17 km zu Ende sein. Unterminiert, nicht vernünftig mit Nährstoffen versorgt, zu schwer…. solche Gedanken halt. Aber ich schaffte es, sie einfach wieder in die Schublade zu stecken, aus der sie gekrochen kamen. Denn ich hatte ja Nicole an meiner Seite. Wir redeten, und redeten, und redeten… schließlich hatten wir uns seit Juli nicht gesehen und online lassen sich manche Dinge einfach nicht ausdrücken. Dazu braucht es die Gegenwart der Person – in echt. Live und in Farbe.

So standen wir im Startblock, fast ganz hinten. Und wurden nass. Klar wussten wir, das wir um 10:40 Uhr loslaufen sollten. Aber irgendwie kam der Startschuss doch überraschend. Und vor allem so laut! Denn auch wenn wir weit hinten standen – bei einem Feld von knapp 100 Läufern ist es immer noch dicht an der Linie.

Die erste Runde

Da liefen wir nun. Im Regen. Zum Glück hatte ich meine Kappe dabei. Scheiß auf die Optik. So konnte ich wenigstens mit Brille laufen und trotzdem was sehen.

copyright bei Detlev Ackermann/www.laufen-in-koeln.de
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Die Strecke führt um den Fühlinger See – wie der Name der Veranstaltung schon nahelegt. Entlang der Regattabahn sind zwei mal zwei Kilometer asphaltiert, der Rest ist typisch Rundwanderweg – leicht geschottert. Durch den Regen in den vergangenen Stunden und Tagen mit einigen Kuhlen und Pfützen. Die erste Runde lief sich trotz allem gut an. Wir liessen schnell das Feld vor uns weglaufen und fanden unser – äh mein – Tempo. Ich wusste, ich kann mit gutem 8:00er Schnitt lange laufen. Das war mein Plan: So lange mit 8:00 min pro Kilometer unterwegs sein, wie es nicht weh tut. Klingt vernünftig, gell?

Ich mag keine Rundkurse

Wir liefen, redeten, schauten uns den See an und sahen nach einer Weile auf der anderen Seite der Regattabahn die Läufer des 5 km-Wettkampfs. Auf der ersten langen geraden wusste ich: „Hier musst du mindestens drei Mal lang – das könnte zum Ende hin echt fies werden.“

Zuschauer gab es bei diesem Lauf relativ wenig. Was wohl zuerst am Wetter – und dann an der Strecke bzw. der Größe dieser Veranstaltung lag. Und ganz ehrlich? Ich fand das meistens prima! Denn die wenige, die am Rand standen, machten oft doofe Sprüche bezüglich meiner Startnummer. Zumindest die Erwachsenen. Die Kinder waren cool „Mama, die Frau da, die hat die eins. Ist das die beste von allen?“ …

Ungefähr auf der Höhe zwischen Kilometer zwei und drei kam uns das Führungsfahrrad entgegen. Im ersten Moment… Schock! … auch wenn ich damit gerechnet hatte… es hieß, das der erste bereits auf seinem siebten Kilometer war, während ich noch auf den dritten zu turtlete. Doch dann… geschah etwas wunderbares!

Die uns entgegenkommenden schnellen Läufer klatschten. Sie klatschen einfach nur für uns. Hatten nette Worte für uns übrig und halfen mir damit so sehr. Hin und wieder musste ich da ein Tränken wegwischen. Leider gab es danach nur noch Überrundungen von hinten.

Ja, ich hab mir einen Halbmarathon ausgesucht, der kein reiner Rundkurs ist. Dachte ich. Auf dem Streckenplan zur Ausschreibung war der Weg markiert: Runde eins, Runde zwei und Runde drei. In der Vorbereitung bin ich im Frühjahr mal eine Runde um den See gelaufen und kam auf gute 10 Kilometer. Somit klangen drei Runden optimal für mich, zumal ein Teil davon gegenläufig aussah.

Kurz vor Kilometer fünf erwartete uns dann ein Ordner, um den Weg anzuzeigen. Sehr freundlich – auch dieser klatsche für uns und hatte liebe Worte. Äh, liebe Worte? „Nur noch drei mal hier vorbei, dann habt ihr es geschafft!“ … Schock!… Drei Mal? Hej, auf dem Bild stand nur was von drei Runden! „Nein, diesen Teil hier lauft ihr vier Mal. Die Regattabahn ist ja nur 2 km lang!“ Super. Motivation im Keller. Erst mal einen Zahn zulegen… und bremsen. Aber ich lauf ja eh nur, so lange mich meine Füße tragen. Also ist alles, was über 15 km ist, super. Dann sinds vielleicht doch nur drei Runden.

copyright bei Detlev Ackermann/www.laufen-in-koeln.de
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Es regnete übrigens immer noch. Etwas weniger. Aber danach leider wieder etwas mehr. So in der Art sah es für uns über knapp 12 Kilometer aus. Wir liefen, wir redeten. Ich wunderte mich, das alles so rund schien und freute mich.

Immernoch Runde 1/2 – kurz vorm Ende

„Achtung! Erstläufer! Bitte linke Bahn frei machen!“ – wie jetzt schon? Wir waren gerade auf dem neunten Kilometer, kurz vorm ersten Mal „über die Matte laufen“. Im Ziel ist man nach dem dritten Mal. Seine Zeit 1:12 h für 21,1 Kilometer – Wahnsinn! Wir haben in dieser Zeit gerade mal knappe 9 Kilometer hinter uns gebracht.

Rüber über die Ziellinie. Regen. Ein paar Zuschauer feuern uns an. „Los, noch eine Runde!“ –     leider nein. Noch zwei Mal würden wir hier lang laufen. „Da kommt die Nummer 1!“ *kicher*  Macht nix. Ich brauchte dringend etwas zu trinken, kurze Gehpause – und weiter!

copyright bei Detlev Ackermann/www.laufen-in-koeln.de
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So in der Art ging es weiter. Dank des Regens wurde es mir nicht zu warm. Überhaupt fühlte ich mich durch das Wasser weniger beeinträchtigt als ich erwartet hatte. Wir sahen viele Läufer, die uns überholten, freuten uns über jeden Kilometer, den wir hinter uns brachten. Wir passierten kurz danach erneut eine Wasserstation – für die meisten Läufer war das dann bereits der 17. Kilometer. Für uns nicht. Ich nahm den Angebotenen Becher nicht, denn der letzte war ja gerade ein Kilometer weit weg.

Zwischen 11 und 12 überkam mich ein riesiges Hungergefühl. War das Frühstück zu wenig? Falsch? Zu weit weg von jetzt? Den Riegel lies ich dennoch in der Tasche. Ich traute mich nicht. Denn eventuell hätte ich dann ja ein Örtchen gebraucht. Und jeder Stillstand wäre ein Rückschritt. Stehen bleiben und dann wieder loslaufen wurde mit jedem geschafften Kilometer zu einer immer größer werdenden Herausforderung.

Während ich mit mir selbst diskutierte, ob ich nun unbedingt etwas zu essen bräuchte oder nicht – verschwand der Regen. Die Sonne kam raus. Bemerkt hab ich das nur, weil plötzlich meine Brille beschlug. Abgenommen. Nix trockenes am Leib, mit der ich sie hätte abwischen können. Die nächsten zwei Kilometer hielt ich die Brille in der Hand. Eine unspäktakuläre Runde ansonsten. Wie liefen mit Abstand hinten.

Doch ich war verdammt gut drauf.

Denn immernoch tat nix weh. Kein Ziepen im Oberschenkel, kein Knie das meckerte, keine Lunge dir brannte. Wow! Ich kann das also doch, lange Laufen! Ob ich es tatsächlich schaffe, durchzulaufen? Nicole war felsenfest überzeugt: „Klar laufen wir da hier ganz! Was meinst du, warum ich hierher gekommen bin?“

Kurz vorm Ende der zweiten Runde hüpfte etwas grünes am Wegesrand durch die Wiese – Bettina war zum anfeuern gekommen! Ich hab ja fast geheult. So sehr hab ich mich gefreut. Überhaupt bin ich von jedem begeistert, der toll findet, was ich da mache. Ich kann das gar nicht beschreiben – aber die Unterstützung von euch allen da draußen ist mir ein großer Schatz.

Runde drei/vier

Die nächsten zwei Kilometer links der Regattabahn. Trotz der Trinkpause eben merkte ich, wie mir die Sonne zu schaffen macht. Auch auf der anderen Seite der Bahn waren kaum noch Läufer zu sehen. Dafür kamen uns Angler mit voller Ausrüstung, ein Nordic Skatet und andere nicht Wettkampfteilnehmer – teilweise sehr raumgreifend – entgegen. Mich hat es teilweise genervt. Ich sehnte mir eine abgesperrte Strecke herbei. Doch hatte ich mich ja bewusst für einen kleinen, familiären Lauf entschieden. Ohne großes Pipapo. Da gehört das wohl dazu.

Kilometer 17

Wow! Nun bin ich an dem Punkt, den ich mir als Ausstieg offen gehalten hatte. Aber keine Frage: ich laufe weiter! Den Rest schaffe ich auch noch. Ganz sicher war ich mir nicht. Aber „umkehren wäre jetzt auch blöd“. Weiter gehts. Gefühlt wurde es immer wärmer, unsere Gespräche immer ärmer – äh, weniger. Meine Konzentration ging drauf für „Tempo halten, weder deutlich schneller noch langsamer werden“ und den Asphalt zu verfluchen. Rechts der Regattabahn angekommen. Noch knapp drei Kilometer. He, was soll das Ziepen da hinten am Steiß? Kannst du bitte wieder abhauen? Ich brauch dich nicht. Ich werde ins Ziel laufen. Sicher.

Knapp 1,5 Kilometer vor dem Ziel kam uns das Fahrrad entgegen. „Ach, da sind sie ja!“ … und wich mir dann nicht mehr von der Seite. Der Fahrer hatte anscheinend das Gefühl, mich motivieren zu müssen. Sah ich so fertig aus? Denn ich fühlte mich sauwohl… okay. Übertrieben. Ich fühlte mich den Umständen entsprechend gut. Aber wir plauderten. Nicole bekam mein Schnecken-Tempo nicht mehr gut und ich schickte sie los, vorauszulaufen.

Nur noch das Rad und ich. Und Bettina, die plötzlich auf der Brücke über mir stand und anfeuerte. Wow! Doch dummerweise war das jetzt der Zeitpunkt, wo ich dann nur noch dachte „alles andere als Laufen NERVT! lasst mich doch einfach laufen!“ … jede Gefühlsregung, jedes Wort trieb die Herzfrequenz nach oben. Oh. mir fällt gerade auf: ich hab noch gar nicht nachgeguckt, wie der Schnitt war. Cool. Und das mir, die sonst alles analysieren muss.

500 Meter noch

Und da ist er, der letzte kleine Anstieg knapp vor dem Ziel. Huch, der tat gar nicht weh? Über die kleine Brücke. Irgendwer rief „Hopp, jetzt noch einen Endspurt – du hast es fast geschafft!“ Neeee, kein Endspurt. Ich glaub, dann wäre ich umgekippt.

50 Meter vor dem Ziel

Bettina jubelte für mich – und lief zusammen mit mir die letzten Meter zum Sieg. Meinem Sieg.

Ich hab den ersten Halbmarathon geschafft. Ich bin 21,1 Kilometer durchgelaufen. Ohne Verletzung, ohne Probleme mit dem Asthma. Einfach so.

Keine zwei Meter hinterm Ziel musste ich stehen bleiben. Luft holen. Und was trinken. Und mich freuen. Autsch. Das wieder losgehen nach dem Stehen bleiben tut weh. Das hinsetzten auch. Und das wieder aufstehen erst recht.

geschafftWir warteten noch die Tombola ab. Leider ging das schöne Rad an jemanden anderen. Ich selbst braucht einen Moment der Stille. Reden? Nicht wirklich. Hunger? Auch nicht richtig. Der im Ziel gereichte Apfel war allerdings göttlich! Genau mein Geschmack – davon hätte ich ne ganze Stiege gebrauchen können.

Erst wieder daheim ist mir aufgefallen, das wir weder Urkunde noch irgendwas anderes in der Hand hielten. Das stimmt mich traurig. Irgendeinen anderen Beleg als eine Zielzeit bei MikaTiming hätte ich schon gern. Selbst ein Zielfoto gibt es nicht.

Dankeschön

… möchte ich allen sagen, die mich unterstützt haben.

Zuallererst Tina, die im letzten Winter meine Idee eines Halbmarathons nicht als spinnert abgetan sondern mir einen wunderbaren Plan erstellte, den ich doch tatsächlich verletzungsfrei überlebt habe. Danke für deine Worte und Hilfe zu jeder Zeit. Und fürs wieder aufbauen, wenn ich mal wieder am Boden war, wenn etwas nicht optimal lief.

Nicole – ohne dich wäre ich nicht so lange und so weit gelaufen. Wer weiß, ob ich überhaupt gestartet wäre ohne dich. Danke, das du mein Tempo und für mich gelaufen bist.

Meiner Familie, die jetzt ein Jahr mit zunehmenden Trainingsumfängen leben lernen musste. Aber ich glaube, die waren zwischendurch ganz froh, das ich so viel unterwegs war und ihnen nicht noch auf den Keks ging.

Allen Freunden in echt und virtuell: Euer Zuspruch, euer Mitgefühl und eure Anwesenheit. Die Gewißheit, da draußen ist immer einer, der mich versteht und der mir auch mal den Kopf gerade rückt. Menschen, die mich anfeuern, die sich über Meilensteine und Erfolge mit mir freuen und die mich aufbauen, wenn es mal nicht so läuft.

Mein erster Halbmarathon. Ich wurde Erste. In der offiziellen Ergebnisliste zwar von hinten. Aber ich hab mich selbst gefordert und bin noch lange nicht am Ziel. Ich hab es geschafft!